Aus LBS wird RTLS

Was ist der Unterschied zwischen Location-based Services (LBS) und Real Time Location Solutions (RTLS)?

Beide Begriffe beschreiben technische Lösungen zur Echtzeit-Lokalisierung beziehungsweise Echtzeit-Funkortungssysteme insbesondere für Innenräume. Sowohl RTLS als auch LBS bezeichnen Möglichkeiten, Objekte oder Personen in Innenräumen zu lokalisieren und abhängig von der Position Maßnahmen oder Prozesse einzuleiten. Insbesondere im Retail hält sich im deutschsprachigen Raum die Bezeichnung Location-based Services. Für ortsabhängige Prozesssteuerung im industriellen Bereich sowie für Guest Experience-Anwendungen in touristischen Infrastrukturen etabliert sich mehr und mehr die international geläufigere Abkürzung RTLS.  Zwar können beide Begriffe synonym verwendet werden, dennoch gibt es aus unserer Sicht – wenn auch an den Rändern unscharfe – inhaltliche Unterscheidungen.

Location-based Services wenden sich vornehmlich an einen Endkunden, so können beispielsweise in einer Mall ortsabhängige Push-Nachrichten wie spezielle Angebote ausgespielt werden. Die Angebote sind gewissermaßen reaktiv, das heißt, dass der Nutzer sie explizit anfordern im Sinne von erlauben muss (App installieren, öffnen, Pushes erlauben). Real Time Location Solutions legen den Schwerpunkt wesentlich stärker auf die Datengewinnung und auf Prozesssteuerung abhängig von den gewonnenen Positionsdaten. Industrielle Anwendungen sind proaktiv. Ein Prozess wird beispielsweise automatisch eingeleitet, wenn ein Produktionsteil eine definierte Zone oder einen Zustand erreicht. Für RTLS ist deshalb wesentlich wichtiger, dass das gewonnene Datenmaterial sehr schnell – in „Echtzeit“ – über Schnittstellen von externen Systemen verarbeitet werden und mit externen Daten angereichert werden kann. Die Nachverfolgung von Objekten in Innenräumen mithilfe von Nahfunktechnologien wird Asset Tracking genannt und kommt vor allem in Produktion und Logistik zum Einsatz. Das zunächst mit viel Argwohn bedachte Tracken von Personen in Innenräumen leistet einen hohen Beitrag zur Guest Experience in Sport- und Multifunktionsarenen aber vor allem auf Kreuzfahrtschiffen. So können Eltern zum Beispiel die Positionen der eigenen Kinder in der unübersichtlichen und sehr weitläufigen Umgebung eines Schiffes jederzeit einsehen und sich via Indoornavigation zu ihnen führen lassen. Indoornavigation ist aus dieser Sicht ein Sonderfall, da sie eine Schnittmenge mit beiden Definitionen hat.

Indoornavigation, im Englischen auch Indoor Navigation oder Wayfinding, meint das flexible Führen und Navigieren von Personen innerhalb von Gebäuden mithilfe eines elektronischen Ausgabegeräts. Analog zu Systemen für den Außeneinsatz wird dem Benutzer seine Route zu einem bestimmten Punkt auf einem Screen angezeigt bzw. vom Ausgabegerät (Smartphone, Tablet) angesagt. Die Nutzer können sich über eine präzise Turn-by-Turn Indoornavigation in großen Komplexen wie Schiffen, Flughäfen, Bahnhöfe oder Shopping Malls zu ihrem Ziel navigieren lassen. Dieser Service entwickelt sich beispielsweise in Smart Buildings einer gewissen Größe zum Standard.

Wer Lösungen für industrielle Einsatzbereiche sucht, wird sicher unter dem Suchbegriff RTLS eher fündig, als unter Location-based Services. Retail- und Gamifikation-Lösungen werden zukünftig eher unter LBS gelistet werden.

 

 

 

 

 

Thomas