Warum Regalnavigation die Nerven schont

Ich möchte Ihnen gerne erklären, warum ich ein großer Fan von Regalnavigation bin. Fangen wir mit einer Frage an: Gehen Sie auch so gerne einkaufen? Ich meine nicht entspanntes Shopping, die Jagd nach dem krassesten Sneaker, bei Sonnenschein und in netter Begleitung. Ich meine mit Einkaufen, vom jeweiligen Lebenspartner, oder in meinem Fall der Lebenspartnerin, am späten Samstagnachmittag mit einer Liste in den LEH der Wahl geschickt zu werden. Auf dem Zettel stehen dann Sachen drauf wie Mehl Typ 1050 oder Glitzi Plus.

Mit leeren Händen zurück

In der weit zurückliegenden Vor-Handy-Zeit bin ich regelmäßig mit leeren Händen wiedergekommen. Ich scheiterte beim Versuch a) das Produkt selbst zu finden und b) beim Versuch Verkaufspersonal für mich zu interessieren. Von diesen zwei Fails war ich so genervt, dass ich einfach aus dem Laden flüchtete und lieber den Ärger mit der Frau in Kauf nahm. Und da ging’s mir nicht alleine so. 91% aller Kunden würden das wahrscheinlich so machen. 59% sogar sehr wahrscheinlich.*

regalnavigation_favendo

Nur noch raus

Gut, inzwischen kann ich zuhause anrufen und mich von meiner Frau mit Anweisungen wie: „Bei den Backwaren, dann links unten, glaube ich“, zum Produkt bzw. ganz grob in die Nähe leiten lassen. Also nur, wenn ich weiß, wo die Backwaren sind. Und damit sind in diesem Fall nicht die Sachen vom Bäcker, sondern die Sachen gemeint, die man zum Backen braucht. #Mussmanwissen. Und dann stehe ich zehn Minuten vor einer Wand aus Mehltüten und versuche zunehmend verzweifelter die kryptische Nummern-Systematik zu durchschauen. Es nervt mich jedenfalls. Und nein, ich habe keine Lust, eine ebenso angenervte Regalauffüllerin aus ihrem Gang in meinen zu zerren, nur damit wir dann zu zweit vor der Wand aus Mehl stehen. Ich bin inzwischen soweit, dass ich – siehe oben – nur noch raus möchte.

Sie können vielleicht verstehen, dass ich ein großer Fan von Systemen bin, die mir diesen ganzen Ärger ersparen. Und jeder Händler sollte auch ein großer Fan davon sein, denn ich bin wie gesagt nicht allein. Und spätestens bei meinem Geld sollte für den Händler der Spaß aufhören.

Glückliche Düsseldorfer

In Düsseldorf gibt es jetzt einen Edeka, der genau nach meinem Geschmack ist. Edeka Paschmann bietet seinen Kunden erstmals Regalnavigation bis zum Produkt. Also nicht nur vor die strapazierte Wand aus Mehl, sondern tatsächlich bis auf 30 Zentimeter an das 1050er. Das finde dann sogar ich. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich sonst bei 45.000 Artikeln auf 2.400 Quadratmetern gnadenlos scheitern würde. Glückliche Düsseldorfer: nicht nur die längste Theke der Welt, sondern endlich auch kein Generve mehr beim Wochenendeinkauf.

Lichtsignale zur Orientierung

Meine Rettung funktioniert durch ein neues LED-Beleuchtungssystem von Philips Lighting, das Orientierung, Navigation und Informationsübertragung ermöglicht. Technischer Hintergrund der Navigationslösung sind Lichtsignale der eingesetzten LEDs, die für jede Leuchte eine individuelle Codierung und damit Positionsbestimmung übertragen. Das codierte Licht ist für die Smartphone-Kamera, nicht aber für das menschliche Auge wahrnehmbar. Die zugehörige App – entwickelt von Favendo – kann aus den empfangenen Signalen der Leuchten die jeweils aktuelle Position des Smartphones auf nur 30 Zentimeter genau bestimmen und mit den Zielkoordinaten abgleichen. Natürlich gibt’s dazu auch ein schickes Video:

Vorteile weit über Regalnavigation hinaus

Regalnavigation macht deshalb nicht nur einkaufsmüde Männer munter, sondern eröffnet zahlreiche Optionen für weitere Anwendungen. Weil nämlich der Herr Paschmann – wenn er die Lichtnavigation zusätzlich mit Beacon-Technologie kombiniert – jetzt genau nachvollziehen kann, was ich wann gesucht habe und wo ich so in seinem Laden umhergeirrt bin. Und ehrlich gesagt, ich bin gerne bereit, diese, meine Daten gegen den Komfort zu tauschen, die mir eine präzise Regalnavigation bis zu Glitzi & Co. (Glitzi Plus, nicht Glitzi Geschirrschwamm) bietet.

Marktleiter wie Herr Paschmann können die Informationen darüber, wie stark einzelne Bereiche frequentiert sind, dazu nutzen, die Wege durch die Verkaufsräume zu optimieren, oder Anregungen sammeln, welche Bereiche sie attraktiver gestalten könnten. Denkbar ist auch, Kunden anhand ihrer Suchfragen passende weitere Artikel anzubieten, ihnen ganze Menüs zusammenzustellen und sie zu den benötigten Waren zu führen.

Erfahrung sammeln und Kunden überzeugen

Falk W. Paschmann verspricht sich für die Zukunft für seinen Markt in Düsseldorf interessante Vorteile durch die Möglichkeit, das Warenwirtschaftssystem mit den Daten aus dem IPS zu verbinden. Zunächst gehe es jetzt darum, Erfahrungen zu sammeln und als Pilotprojekt die volle Funktionalität des Systems nachzuweisen. „Wir haben eine Lernkurve vor uns und hoffen, dass viele Kunden den Mehrwert erkennen.“ Ich zumindest bin dabei und hoffe, dass sich das System jetzt schnell bundesweit – oder zumindest in meinem LEH, bitte – durchsetzt.

*http://www.pierhouse.co.uk/wp-content/uploads/2015/07/PierhouseSurvey_WhyShoppersLeave.pdf