Positionierung ist alles

Sommerzeit, Freibadzeit. Und das hat genau was mit Positionierung zu tun? Abgesehen davon, dass die Position weiter vorne in der Schlange vorm Kiosk viel besser ist, als eine weiter hinten, stellen Sie sich einfach auf den Fünfmeter- oder gar Zehnmeterturm des Freibads Ihrer Wahl. Ganz vorne, ganz an den Rand. Und schon wissen Sie, wie groß der Unterschied von nur zehn Zentimetern in der Positionierung sein kann. Und wie viel Einfluss die Positionsgenauigkeit auf Ihren Allgemeinzustand haben kann.

Die eigene Position ist die wichtigste Zustandsbeschreibung, über die ein Objekt in einer vernetzten Struktur Rückmeldung geben soll. Eine exakte Positionierung ist deshalb der wichtigste Baustein für das Internet der Dinge und Location-based Services. Denn das Internet der Dinge ist ein Konzept, um die bestehenden Informationslücken zwischen realer und virtueller Welt zu schließen. „Dinge“ haben in der realen Welt in einem bestimmten Moment bestimmte Eigenschaften, die in der virtuellen Welt nicht bekannt sind. Objekte müssen über diesen „Zustand“ also möglichst exakt Rückmeldung geben, um die Lücke zu schließen. Die einfachste Zustandsbeschreibung in der realen Welt ist genau wie in der Verarbeitung digitaler Information 0 oder 1, ja oder nein: Da oder nicht da. Wenn diese kleinste Informationseinheit dahingehend fortgeschrieben wird, dass sich etwas zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort befindet, also an einem definierten Ort „da“ ist, wird die Zustandsbeschreibung wirklich wertvoll. Wir haben eine vollwertige Positionierung erreicht.

Im Bereich Handel lassen sich damit beispielsweise Kundenströme, Laufwege, Verweildauer von Personen nachverfolgen. Wenn ich diese validen Daten habe, kann ich beispielsweise mein Floor Management optimieren und meinen Personaleinsatz besser planen. Im Facility Management: wenn ich die Laufleistung und andere Variablen meiner Putzmaschinen kenne, dann weiß ich auch, wann welche Wartung fällig ist. Ein externes Wartungsteam bekommt vom System eine Nachricht, dass und welche Wartung fällig ist. Das System informiert nicht nur das Wartungsteam, sondern gleichzeitig die interne Haustechnik und die Anmeldung, dass und wann ein Team kommt. Dieses Team weiß dann dank eines digitalen Gebäudeinformationssystems genau wo die Maschine wirklich steht – nicht nur, wo sie stehen sollte – und kann sich per Indoor Navigation zum Objekt führen lassen. Und das sind nur Grundfunktionen. Schließlich könnte das System – wenn es über Standortdaten verfügte – mit Hilfe eines Effizienzalgorithmus stets das nächstgelegene Team informieren und diesem Team außerhalb und innerhalb eines Gebäudes jeweils die günstigste, zeitsparendste Route vorschlagen. Weiter wüsste das System, dass Team A für den aktuellen Auftrag gerade vier Materialeinheiten B benötigt. Intelligent vernetzte Systeme könnten jetzt automatisch den Warenbestand abgleichen und rechtzeitig nachbestellen. Selbstlernende Systeme wüssten im nächsten Schritt im Voraus, wann etwas wo benötig wird. Und wie es dort hinkäme.

Um eine exakte Positionierung zu erreichen, wird unter freiem Himmel zumeist auf GPS oder andere Satelliten-Navigationssysteme zurückgegriffen. In Innenräumen verliert GPS jedoch aufgrund von architektonischen Voraussetzungen seine Funktion – mindestens aber seine Zuverlässigkeit. Aber auch für Innenräume stehen vielfältige Möglichkeiten zur Verfügung, um eine exakte Positionierung zu erreichen. Allein die Website www.locationbased-services.de listet über zehn verschiedene Technologien auf, die in der Praxis zum Einsatz kommen, und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Im Gegensatz zum „Krieg der Videoformate“, wie in den 70er Jahren des vorherigen Jahrhunderts die Konkurrenz von Betamax, VHS und Video2000 um die Vorherrschaft im Wohnzimmer genannt wurde, können sich die meisten Technologien allerdings ergänzen und ermöglichen es so, die spezifischen Schwächen der einen Technologie mit der Stärke der anderen aufzufangen. Beispielsweise ermöglicht das von Philips zur Marktreife gebrachte Indoor Positionierungssystem auf Lichtbasis eine sehr genaue Positionierung, verfügt aber über keinen Kanal, diese Informationen auch wieder zurückzugeben. Eine Ergänzung mit iBeacons, die für sich allein keine so genaue Positionierung ermöglichen können (unter 30 Zentimeter), schließt genau diese Informationslücke.

Eines der schönsten Beispiele dafür, dass Positionierung der Anfang von allem ist, wird derzeit auf der MS Meraviglia realisiert. Das neue Kreuzfahrtschiff von MSC Cruises verfügt über zahlreiche „Smart“-Features. Aber herausragend ist die Kids-Tracker Funktion. Nicht mehr Assets, also Güter, werden hier positioniert und verfolgt, sondern Kinder, die von ihren Eltern zuverlässig via App getrackt werden können. Möglich machen das ein Armband und eine Beacon-Installation. Und wer sein Kind einmal aus den Augen verloren hat, der weiß, dass Positionierung – mal ganz unabhängig vom Sprungturm – tatsächlich der Anfang von allem ist.