Standortbasierte Dienste und Services: mehr als Retail

Ze Germans are coming: Und sie werden ihren Entwicklungsvorsprung im Bereich standortbasierte Dienste weiter ausbauen. Maßgeblich dafür wird sein, in wie weit Anbieter von standortbasierten Diensten den Anforderungen einer innovativen deutschen Industrie 4.0 entsprechen können. 

Der deutsche Branchenverband für Location based Marketing und standortbasierte Technologien, die Location Based Marketing Association (LBMA) verkündete jüngst gute Neuigkeiten für die Branche. Eine Umfrage habe ergeben, dass deutsche Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr bei der Nutzung von Location Based Marketing weltweit auf Platz zwei liegen.

„Gewöhnlich sind vor allem die Deutschen hinsichtlich der Einführung von technologischen Neuerungen zaghaft. Allerdings zeigt unsere aktuelle Studie, dass gerade deutsche Unternehmen standortbasierte Technologie als wichtigen Teil der Unternehmensstrategie sehen. Daraus resultierend investieren sie auch in diese Services“, sagt Carsten Szameitat, Vorstandsvorsitzender & Region Director DACH bei LBMA. In Deutschland halten 86 Prozent LBM für wichtig oder sehr wichtig. Technologisch setzen deutsche Unternehmen bei der Umsetzung von standortbasierten Diensten vor allem auf die Allrounder Beacons. 37 Prozent nutzen sie, 15 weitere Prozent planen deren Einsatz als Instrument zur Lokalisierung.

Die größten Vorteile von Location Based Marketing sehen deutsche Unternehmen (43 Prozent) in den Möglichkeiten der Personalisierung. Dazu gehören die Fähigkeit, Verkäufe am PoS anzukurbeln (44 Prozent) und die Zielgenauigkeit der Kundenansprache (49 Prozent). „Im Vergleich zu 2016 liegt eine Steigerung der Zielgenauigkeit um fünf Prozentpunkte vor“, so Szameitat. Dass die Studie vor allem Vorteile für den Retail in den Fokus rückt, ist verständlich, schließlich nennt die LBMA selbst Retail & Handel als ihre Fokusbranchen.

Noch größeres Potential liegt aber in anderen Branchen. Denn betrachtet man die Umsatzzahlen der verschiedenen Wirtschaftszweige fällt der Sektor Einzelhandel mit 513 Milliarden Euro Umsatz gegenüber dem Sektor Industrie, Verarbeitendes Gewerbe mit 2 051 996 Milliarden Euro (für 2015) extrem ab. Und Industrie & Verarbeitendes Gewerbe ist nicht nur ein mächtiger, sondern insgesamt auch ein extrem innovativer Sektor. So sorgt insbesondere der Faktor „Wertschöpfung in der verarbeitenden Industrie“ dafür, dass Deutschland auch 2017 wieder unter den Top 3 im Bloomberg Innovation Index zu finden war. Tesla – für viele ein Inbegriff von Innovation – nutzt beispielsweise in seiner Produktionsstätte in Freemont hauptsächlich Roboter des deutschen Unternehmens Kuka. Aber während Tesla mit dem Modell 3 gerade die Tester enttäuscht, wurde das Augsburger Unternehmen gerade an „die Chinesen“ verkauft. Kuka gehört zu den Industrien, in denen China eine weltweite Führungsrolle übernehmen will und deshalb das dafür nötige Knowhow bei den besten Vertretern der Zunft einkauft. Damit Deutschland seinen Top-Platz als Innovator auch zukünftig halten kann, müssen sich nicht nur die Forerunner wie Kuka, sondern alle Industrieunternehmen den für ihre Wettbewerbsfähigkeit maßgeblichen Herausforderungen und Megatrends Digitalisierung und Vernetzung stellen. Und genau diese Situation wird den Markt der deutschen LBS-Anbieter extrem positiv beeinflussen.

Beacons dienen in diesem Zusammenhang genau wie andere bestehende Technologien, die bei standortbasierten Diensten zum Einsatz kommen, als Instrument zur Lokalisierung und immer stärker auch als Kommunikator von zusätzlichen Umgebungsdaten wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Einer Technologie ist es kurz gesagt egal, ob sie Kunden-Smartphones oder Maschinen oder Produktionsteile lokalisiert. Sensor Beacons können aber darüber hinaus wartungs- und sicherheitsrelevante Informationen kommunizieren. Entweder an B2B-User wie Wartungspersonal oder Maschinenführer (wie die Intralogistik-App Info@need, die den Nutzern abhängig von ihrem Standort in Echtzeit neue Kommissionierungsaufträge zuspielt), sie können aber auch direkt M2M kommunizieren – wie das Asset Tracking-System von Favendo.

iBeacons werden aufgrund dieser Zweigleisigkeit zukünftig immer mehr im Bereich der industriellen Produktion zur Identifikation von Werkstücken, Maschinen und Mitarbeitern eingesetzt werden. Insbesondere im Bereich Industrie 4.0 werden Anwendungen für die Vernetzung von Produktionsprozessen mit mobilen Anwendungen auf Smartphone und Tablet realisiert werden. Damit ist klar, in diesem Sektor liegt zukünftiges Potential für standortbasierte Dienste weit jenseits von Push-Nachrichten zur „Verbraucherinformation“. Es wird diese gegenseitige Befruchtung von Industrie 4.0 und Anbietern standortbasierte Dienste sein, die sich nach Einschätzung vieler Brancheninsider extrem positiv auf die Marktentwicklung und den Innovationsstatus beider Unternehmensgruppen auswirken wird.